Kontakt an der Leine? 
5 Gründe, warum ich das nicht zulasse.

"Der will mal Hallo sagen, der braucht doch Sozialkontakt!" - So oder so ähnlich hört sich oft der erste Satz der Menschen an, die den Kontakt mit anderen Hunden an der Leine zulassen und sich dann wundern, warum Pfiffi bei jeder Begegnung schon in 5 km Entfernung lauthals bellend in die Leine springt. 

Neben "Ach ist der süüüüüüß" gehört diese Aussage also zu meinen Top 5 der Sätze, die meinen Puls rasen lassen. Warum? Hier ein paar Gründe. 

Von Leinenpöbeleien, Frustration und Missverständnissen...

Leinenkontakt - Was bedeutet das überhaupt?

Kontakt an der Leine kann zum Beispiel das Beschnüffeln eines anderen Hundes sein, Spielen oder auch das Begrüßen von anderen Menschen, während sich Dein Hund an der Leine befindet. Eben jegliche Berührung anderer Hunde oder Menschen, die Dein Hund empfängt oder gibt. Menschen, die deinen Hund streicheln zählen auch zu Leinenkontakt. 

Ausnahme kann Kontakt an der Schleppleine sein. Die Schleppleine kann z.B. eingesetzt werden, um Begegnungen bzw. das Spiel besser kontrollieren zu können. Sie kann auch den Hunden ein freieres Spiel ermöglichen, die einen starken Jagdtrieb oder Angst haben oder (noch) schlecht abrufbar sind und deshalb nicht in den Freilauf können. Hier muss nur unbedingt darauf geachtet werden, dass sich die Hunde nicht darin verfangen! 

Im Idealfall gilt aber auch an der Schleppleine kein Leinenkontakt. 

Es gibt auch weitere Ausnahmen, auf die möchte ich aber erst später eingehen. 

5 Gründe, die gegen Leinenkontakt sprechen

1. Frust an der Leine

Stell dir vor du bist 5 Jahre alt und du fährst mit deinen Eltern jeden Tag auf dem Fahrrad an einer Eisdiele vorbei zur Kita. Du liebst Eis und würdest am liebsten jeden Tag Eis essen. Du schaust immer mal neugierig für ein paar Sekunden ins Schaufenster, aber das wars auch schon. Für dich war es bisher nie eine Option dort anzuhalten und vom Rad zu steigen, weil ihr das noch nie gemacht habt. Ihr habt ja schließlich ein Ziel und Eis habt ihr auch zu Hause. Das kannst du dann mit Deinen Besuch zusammen genießen. 

Doch plötzlich an einem Dienstag hält Deine Mama an und kauft Dir ein Eis. Das ist natürlich total toll und du freust dich wahnsinnig. Bestimmt bekommst du dann morgen wieder eins. Doch was ist das? Am nächsten  Tag und auch am Donnerstag gibt es plötzlich keinen Halt mehr an der Eisdiele! und auch die nächsten Tage gibt es kein Eis mehr... Du fragst deine Mama ganz enttäuscht warum nicht, doch sie kann dir keine Erklärung geben. Sie sagt einfach nur "Nein. Heute gibt es kein Eis.". Ganz schön frustrierend oder? 

So geht es Deinem Hund, der das eine mal den schwarzen Nachbarslabbi an der Leine beschnüffeln und anspringen darf, aber den weißen Schäferhundmix aus dem Feld nicht. Am nächsten Tag darf er dann auch den Nachbarslabbi nicht begrüßen, weil du in Eile bist und außerdem regnet es. Er versteht überhaupt nicht warum, denn gestern durfte er das doch noch?!

Wenn es ganz blöd läuft, wächst der Frust Deines Hundes mit jeder Begegnung, bei der er keinen Kontakt haben darf (und die wird es 100%-ig geben!) und Du erziehst ihn zum Leinenpöbeltier

2. Eingeschränkte Kommunikation, Missverständnisse & Schutzzone

Damit ein Kontakt mit Mensch und/oder Hund auch friedlich ablaufen kann, müssen alle Parteien frei kommunizieren können, sonst kann es zu folgenschweren Missverständnissen kommen. Da Hunde nicht nur über die Mimik, Stimme und Rute kommunizieren, sondern auch über den Raum, den Gang, Bewegungen und  Körperhaltung, ist der Hund an der Leine eingeschränkt, d.h. er kann sich nicht frei bewegen und seinen ganzen Körper einsetzen. Er kann sich auch nicht in den gewünschten Raum frei bewegen und in Notfällen hat er nicht einmal die Möglichkeit zur Flucht

Für manche Hunde bedeutet die Anlehnung an die Leine auch Sicherheit, weil sie so eine "tatsächliche" Verbindung zu Halter haben. Gleichzeitig ist der Umkreis der Leine auch der private Bereich, der nicht unerlaubt betreten werden sollte! Wird dieser Schutzradius zu oft missachtet und der Hund ungewollt "belästigt", verliert der Hund nach und nach das Gefühl der Sicherheit und kann Angstaggressionen entwickeln. Der Rudelführer bietet seinem Rudel Schutz. Kannst du deinem Hund das nicht bieten, weil du zum Beispiel nicht verhinderst oder es zulässt, dass andere Hunde in den Schutzbereich eindringen, verliert der Hund den Respekt vor Dir und das Vertrauen in Dich.

3. Leinenführigkeit ohne Ablenkung (z.B. "Fuß" bei Hundebegegnungen) 

Mein Hund soll nicht nur ungestört das Kommando "Fuß" ordentlich ausführen und entspannt neben mir laufen, wenn niemand in riechweite ist, sondern eben auch dann, wenn uns andere Hunde und Menschen begegnen. Natürlich kann auch ein Hund, der Leinenkontakt gewohnt ist, lernen toll an der Leine zu gehen. Aber warum soll ich es mir schwerer machen, wenn es ganz einfach sein kann? Wenn mein Hund gar nicht erst auf die Idee kommt er könnte ja doch mal seine Nase rüber strecken, dann bleibt doch ganz automatisch sein Fokus eher auf mir, auch wenn uns ein anderer Hund entgegenkommt. 

Zudem beobachte ich in den allermeisten Fällen mehr Hundehalter, die nicht ihre Hunde zum "Hallo sagen" freigeben und die Führung haben, sondern Hunde, die ihre Halter zum anderen Hund führen bzw. zerren und sich ganz toll am Ende auch noch selbst belohnen. ;)

4. Verletzungsgefahr 

Wer seinen Hund an der Leine spielen lässt, geht ein hohes Risiko ein, denn die Verletzungsgefahr dabei ist sehr hoch! Meist passiert es viel schneller, als man gucken kann. Schnell hat sich eine Kralle verhakt oder die Leine sich um den Hals gewickelt. Die Verletzungen reichen von Zerrungen bis hin zu Strangulierungen durch spielerische Sprünge ins Halsband. Doch nicht nur für den Hund, sondern auch für die Hundehalter besteht dabei Verletzungsgefahr. Gemeint sind z.B. die typischen Verbrennungen, wenn die Leine durch die Finger schießt oder ausgekugelte Schultern, wenn der Hund plötzlich einen Satz in die Leine macht. 

5. Sozialkontakt mit Fremden 

"Der will mal schnuppern und hallo sagen. Der braucht doch Sozialkontakt.". Wo fange ich da bloß an? 
Das hat auch etwas mit dem Schutzbereich aus Punkt 2 zu tun.
Fragst Du jeden, dem Du im Supermarkt begegnest, was es bei ihm heute zum Abendessen gibt? Fragst Du auf dem Kinderspielplatz jede Mutter wie es mit dem Partner im Bett läuft, seit die Kinder da sind? Fragst Du an der Tankstelle jeden, den Du siehst, wie sein Stuhlgang aktuell ist? Ich vermute, das sind Themen, die Du vielleicht eher mit Deinen Freunden in der Freizeit besprichst, oder? 
Und so ist es auch mit dem Hund. Er muss NICHT jedem "Hallo" sagen. Er muss NICHT mit jedem spielen, der uns über den weg läuft. Das macht auch kein Straßenhund oder Wolf, die recht ursprünglich leben. Vor allem nicht, wenn wir am Trainieren sind. Er hat Sozialkontakt auf dem Hundeplatz und mit seinen Freunden bei Verabredungen zu "Playdates". 

Wenn die Hundebegegnung gut verlaufen ist, wir nicht im Training sind und ich merke, dass die Hunde zusammen passen, dann lasse ich ihn zur Belohnung auch mal Spielen. Aber niemals an der Leine! Das läuft bei uns immer gleich ab und es gibt Regeln, die uns Sicherheit geben und jede Begegnung entspannt ablaufen lassen.

Ausnahmen

Wie oben erwähnt, gibt es auch Ausnahmen. Es gibt Hunde, die aus verschiedenen Gründen nicht von der Leine gelassen werden können. Jäger, Angsthunde (siehe Punkt 2!), schlecht sozialisierte Hunde... aber auch die dürfen und sollte irgendwann einmal andere Hunde kennenlernen. Um die Situation besser kontrollieren zu können, kann man hier die Leine dran lassen. Da geht es aber nicht ums Toben, sondern um reine/s Sozialisierung/Training

Eine andere Ausnahme ist, wenn man sich in einer unpassenden Umgebung befindet und auf den Kontakt nicht verzichten möchte. Bei uns gibt es da nur eine Ausnahme und das ist, wenn wir unsere Nachbarshündin und Freundin Lotta auf der Straße treffen. Aber auch hier gelten feste Regeln. Zuerst gibt es keinen Kontakt. Erst wenn er völlig entspannt ist kommt von mir das "Ok". Es wird kurz begrüßt -das dauert ein paar Sekunden!-  und dann ohne Kontakt gemeinsam weitergegangen. Wenn wir uns sonst in einer unpassenden Umgebung befinden und treffen auf einen Hund der zu Monty passen würde, schlage ich vor sich für einen anderen Tag an einer passenden Location zu verabreden

Fazit

Der Hund braucht keinen Kontakt an der Leine, um soziale Kompetenz auszubilden. Durch Leinenkontakt kann man sich selbst Baustellen schaffen, die nicht sein müssen. Kein Leinenkontakt bedeutet nicht komplett auf den Kontakt mit anderen Menschen und Hunden zu verzichten. Wenn die Situation es bietet und die Umstände es zulassen, Leine ab und das Spielen oder die Begrüßung kann risiko- und stressfrei beginnen. 

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